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Die Abgeordneten
Prof. Dr.
Lothar Bisky,
Inge
Höger-Neuling,
Nicolette Kressl,
Dr. Karl A.
Lamers,
Dr.
Norbert Röttgen und
Jörn Wunderlich bestätigten den
Eingang des Schreibens und dankten, die Abgeordneten
Ute Granold und
Frank
Schäffler äußerten sich auch zum Inhalt der WWW-Seite. Die relativ geringe Anzahl der Antworten ist nicht
erstaunlich, da ich nicht explizit um eine Antwort gebeten
hatte.
Das personalisierte E-Mail-Anschreiben:
Sehr geehrte[r] Frau [Herr]
(gegebenenfalls Titel) (Nachname),
auf
http://www.ulrich-willmes.de/aufgaben.html habe ich Lösungen
für einige Probleme Deutschlands unter besonderer
Berücksichtigung der "Heuschreckenschwärme" skizziert. Es würde
mich freuen, wenn ich damit einen kleinen Beitrag zur
Problembewältigung leisten könnte.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Willmes
Antwort von Frau Granold vom
17.01.2006:
Sehr geehrter Herr Willmes,
vielen Dank für Ihr Mail vom 14. Januar 2006. Sie kritisieren
darin die negativen Auswirkungen eines lediglich auf
kurzfristige Börsengewinne ausgerichteten Wirtschaftens im
Zeitalter der Globalisierung und machen Vorschläge für neue
Lösungsansätze der Politik.
Ich teile Ihre Kritik. Die jüngsten Entwicklungen bei der Firma
Grohe* sind für mich ein Beispiel dafür, dass es so einfach nicht
mehr weitergehen kann.
Die Diskussion über neue und erweiterte Formen einer
Unternehmensbeteiligung können meiner Meinung nach ein Weg sein,
die Manager stärker zum Blick auf das Gemeinwesen zu zwingen.
Eine weitere Idee, die der Bundespräsident in seiner
Neujahrsansprache aufgegriffen hat, die eines bedingungslosen
Grundeinkommens oder einer negativen Grundsicherung nach
amerikanischem Beispiel als Ersatz für die bisherigen
Transferzahlungen des Staates, bietet in meinen Augen ebenfalls
viel Potential.
In jedem Fall vielen Dank für den Hinweis auf Ihre Vorschläge.
Wie Sie sehen, sind diese schon zum Teil Bestandteil der
Überlegungen innerhalb der Union.
Mit freundlichen Grüßen
Ute Granold MdB
Antwort von Herrn Schäffler vom
25.01.2006:
Sehr geehrter Herr Willmes,
vielen Dank für Ihre Mail und die auf Ihrer Homepage
angesprochenen Themen.
Ihr Staatsverständnis sowie Ihre Einschätzung, wie
Marktwirtschaft funktionieren sollte, teile ich nicht.
Freundliche Grüße
Frank Schäffler
Mitglied des Bundestages
* Erläuterung des Autors: Der
Armaturenhersteller Grohe wurde im Juli 1999 von der Familie Grohe
an den britischen Finanzinvestor BC Partners verkauft. Der
Kaufpreis soll ca. 900 Millionen Euro betragen haben. Rund 390
Millionen Euro Eigenkapital brachte BC Partners zusammen mit
anderen Investoren auf, die fehlenden Millionen gaben Banken als
Darlehen.
BC Partners modernisierte die Organisation. Die interne EDV
wurde ausgebaut. Die Zahl der Mitarbeiter wurde bei ca. 5800
gehalten.
Im Frühsommer 2004 übergab BC Partners das Unternehmen der amerikanischen
Texas Pacific Group (TPG) und einer
Tochtergesellschaft der Investmentbank Credit Suisse First
Boston (CSFB). Diese sollen für Grohe ca. 1,8 Milliarden Euro
gezahlt haben. BC Partners verdiente an dem An- und Verkauf von
Grohe also - steuerfrei - ca. 900 Millionen Euro und hatte
bereits zuvor über eine
Dividendenausschüttung mehrere hundert Millionen Euro aus dem
Unternehmen entnommen.
TPG und CSFB steuerten beim Kauf zu gleichen Teilen insgesamt 400
Millionen Euro Eigenkapital bei. Der Rest - über eine
Milliarde Euro - wurde über Bankkredite finanziert.
Aufgrund der Kredite war Grohe nach dem Verkauf an TPG und CSFB
völlig überschuldet.
Sofort nach dem Kauf ersetzten die Investoren
den bisherigen Vorstandschef durch den
Engländer David Haines.
Im September 2004 bekamen die Unternehmensberater von McKinsey
den Auftrag, überflüssige Kosten ausfindig zu machen. Im Oktober
2004 erhielten die Unternehmensberater von Bain den Auftrag, den Vertrieb
zu analysieren.
McKinsey lieferte ein rund 100
Seiten dickes Gutachten, von dem nur die Vorstände und
Aufsichtsräte je ein nummeriertes Exemplar erhielten. Im
Radikalszenario sollten von 2007 an jährlich 150 Millionen Euro
eingespart werden, davon 68 Millionen Euro im Einkauf. Den Rest
sollte die deutsche Belegschaft tragen - durch
Massenentlassungen. Vorgeschlagen wurde, die Werke in Herzberg, Porta Westfalica
und Lahr im Schwarzwald zu schließen und in Verwaltung und
Vertrieb 239 Stellen einzusparen. 2700 Vollzeitstellen sollten
in Deutschland verschwinden und nur die Standorte Hemer und
Ludwigsfelde bleiben. Zugleich sollten in Kanada,
Portugal und Thailand ca. 730 Stellen geschaffen und ein neues
Werk mit 810 Jobs in Polen gebaut werden.
Das zweite
Szenario stammte ebenfalls von McKinsey: Demnach sollte Grohe in
Deutschland 1570 Stellen abbauen, bis auf Herzberg blieben alle
Standorte erhalten.
Der Betriebsrat beauftragte daraufhin die Beratungsfirma Management Engineers
mit einem dritten Gutachten. Dieses sah
den Erhalt von Hemer, Lahr und Porta Westfalica und einen Abbau
von nur 842 Stellen vor. Durch Investitionen sollte die
Produktivität gesteigert und ähnlich viel gespart werden wie in
den Varianten eins und zwei. Vielfach aber bestätigte das
Gegengutachten des Betriebsrates die Analyse von McKinsey -
freilich auf der Basis der Renditevorgabe von TPG und CSFB. Fachkräfte sind
z. B. in Portugal
rund zwei Drittel billiger. So wollte schon BC
Partners den Auslandsanteil der Produktion von etwa 20
Prozent steigern - aber auf 30 Prozent, nicht wie Haines auf
50 Prozent.
Ende 2005 wurde das Werk in Herzberg geschlossen bzw. nach
Thailand verlagert. Wohl wegen des großen öffentlichen Aufsehens
blieben die anderen Standorte in Deutschland - bei stark reduzierter Belegschaft -
vorerst erhalten. Sowohl 1999 als auch in den
Jahren danach einschließlich 2005 war das Unternehmen Grohe hoch
profitabel. Der Arbeitsplatzabbau und die
Arbeitsplatzverlagerung erfolgten nicht, weil das Unternehmen
keinen Gewinn erwirtschaftete, sondern deshalb, weil eine
Umsatzrendite von gut 20 Prozent den Investmentunternehmen
nicht genügte.
Auf der
WWW-Seite der IG Metall zum Konflikt bei Gohe Herzberg liest
sich das so:
"Das Werk in Herzberg mit seinem
305 Mitarbeitern und einer 105jährigen Tradition soll nach dem
Willen des Vorstandes und der Anteilseigner im Aufsichtsrat zum
Jahresende 2005 geschlossen werden.
Amerikanische Finanzinvestoren haben das Unternehmen Grohe Mitte
2004 für ca. 1,8 Mrd. € gekauft, nachdem der vorherige
Eigentümer "nur 900 Mio €" bezahlt hatte. Nur ein Teil der
Kaufsumme wurde durch Eigenmittel beglichen, der Rest durch
Kredite finanziert. Diese müssen jetzt durch die Beschäftigten
erwirtschaftet und durch Verrechnung der Gewinne wieder
abgetragen werden. Nur wegen der Kredittilgung wurden 2004
unterm Strich rote Zahlen vermeldet.
Obwohl im Grohe-Konzernverbund eine Rendite von 20% erreicht
wird, sollen jetzt durch Einsparungen von 150 Mio € jährlich die
Gewinne auf 28% gesteigert werden. Die Strategie der
Anteilseigner bedeutet kurzfristige Profitsteigerung durch
Arbeitsplatzabbau und Produktionsverlagerung in
Billiglohnländer. Wahrscheinlich soll Grohe ausgesaugt werden,
um den Konzern an den nächsten Finanzhai mit beträchtlichem
Gewinn verscherbeln zu können."
Es existiert auch ein
Dokumentarfilm zum Thema mit dem Titel "Und du bist raus".
Informationen zum Film:
http://www.wdr.de/tv/dokumentation/unddubistraus.html
Zur Wirtschaftslage: Was
ist zu tun?
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