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Die Büros der
Abgeordneten
Stephan
Eisel,
Hellmut Königshaus und
Karl
Schiewerling bestätigten den
Eingang des Schreibens und dankten, der Abgeordnete
Niels Annen, der Abgeordnete
Roland Claus bzw. dessen wiss. Mitarbeiter Dr. Wolfram
Adolphi, die Abgeordneten
Dr. Dagmar
Enkelmann und
Petra Pau
sowie der Abgeordnete
Dr.
Hermann Scheer bzw. dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter
Ulrich Wegst äußerten
sich unterschiedlich ausführlich zum Inhalt der WWW-Seite. Die relativ geringe Anzahl der Antworten ist nicht
erstaunlich, da ich nicht explizit um eine Antwort gebeten
hatte.
Das personalisierte E-Mail-Anschreiben:
Betreff: Brauchen wir
Staatsbetriebe?
Sehr geehrte[r] Frau [Herr]
(gegebenenfalls Titel) (Nachname),
in den letzten Jahren sind von
Kommunen, Bund und Ländern zahlreiche Unternehmen privatisiert
bzw. öffentliche Dienstleistungen Privatunternehmen übertragen
worden. Aktuell wird die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn
diskutiert.
Auf
http://www.ulrich-willmes.de/staatsbetriebe.html finden Sie
einige Überlegungen zum Für und Wider von Privatisierungen.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Willmes
Antwort von Herrn Wegst / Herrn Dr.
Scheer vom 08.10.2007:
Sehr geehrter Herr Willmes,
für den Hinweis auf Ihren Text darf ich mich im Namen von
Hermann Scheer bedanken. Ich habe ihn ausgedruckt und werde ihn
Herrn Scheer zur Kenntnis geben. In der Abhandlung geht es, auch
wenn Sie das Wort selbst nicht benutzen, darum, welche Aufgaben
der Daseinsvorsorge von der öffentlichen Hand übernommen werden
müssen und welche auch von Privaten erledigt werden können.
Herman Scheer ist der Auffassung, dass der Renditedruck privater
Großaktionäre im Widerspruch zur Gemeinwohlverpflichtung der
Bahn laut Artikel 87e Grundgesetz steht. Deshalb lehnt er den
vorliegenden Gesetzentwurf der Bundesregierung zur
Privatisierung der Bahn ab. Insbesondere das Verkehrsnetz der
Schiene dient der Daseinsvorsorge und deshalb darf es nach
Auffassung von Herrn Scheer nicht nur unter
Renditegesichtspunkten gesehen und betrieben werden.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Wegst
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Antwort per Brief von Frau Dr.
Enkelmann vom 08.10.2007:
Sehr geehrter Herr Dr. Willmes,
Ihre Ausführungen zur Privatisierung von Staatsbetrieben auf
Ihrer Internetseite habe ich mit großer Zustimmung gelesen.
Besonderes Interesse hat Ihre Argumentation bezüglich der
Deutschen Bahn bei mir erregt. Ich teile Ihre Ansicht, dass mit
dem verkauf der Deutschen Bahn an private Investoren die Gefahr
besteht, dass die Fahrpläne ausgedünnt, Strecken stillgelegt und
die Fahrpreise weiter erhöht werden.
Bereits Ende 1993, vor dem Beschluss zur ersten Bahnreform, habe
ich - damals als verkehrspolitische Sprecherin der Gruppe der
PDS - im Bundestag gewarnt, dass eine private Bahn-AG auf
"Gedeih und Verderb gewinnorientiert arbeiten" muss und deswegen
das Gemeinwohl zwangsläufig auf der Strecke bleiben wird. Mit
meinen Zweifeln hatte ich, wie sich jetzt zeigt, völlig recht.
Die 1994 begonnene Privatisierung hat zu einem immensen Abbau
von Personal, zur Ausdünnung des Verkehrs in der Fläche und zu
verschlechtertem Service geführt. Auch das Hauptziel dieser
"Reform", mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu
bringen, wurde verfehlt. Dieser Entwicklung muss endlich ein
Riegel vorgeschoben werden.
Aktuell lehnt die LINKE als einzige Fraktion des Bundestages
konsequent ab, die deutsche Bahn AG zu privatisieren. Ein
entsprechender Antrag der LINKEN, den Börsengang ohne Wenn und
Aber zu stoppen (Drs.
16/3801), wurde jetzt im Verkehrsausschuss des Bundestages
sowie am vergangenen Freitag auch im Plenum des Bundestages mit
den Stimmen von Union, SPD, FDP und der Bündnisgrünen abgelehnt.
Den
Antrag wie auch das
Plenarprotokoll der Debatte zur Bahnprivatisierung lege ich
diesem Schreiben bei.
Angesichts der geschilderten Kräfteverhältnisse im Bundestag ist
es meiner Ansicht nach notwendig, außerparlamentarisch in einem
breiten Bündnis gegen die Privatisierungspläne mobil zu machen.
Bei diesem Engagement wünsche ich Ihnen viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
Dagmar Enkelmann
Antwort von Herrn Dr. Adolphi
/ Herrn Claus vom 11.10.2007:
Sehr geehrter Herr Willmes,
Sie haben an Herrn Roland Claus eine Mail gesandt, in der sie
ihm Ihre Überlegungen zu Staatsbetrieben mitgeteilt haben. Herr
Claus bittet mich, Ihnen dafür herzlich zu danken. Viele Ihrer
Überlegungen treffen sich mit denen, die auch in unserer
Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag zu diesen Themen
angestellt werden. Herausragendes Beispiel
dieser Tage ist ganz gewiss die von der Bundesregierung geplante
Privatisierung der Deutschen Bahn. Unsere Fraktion lehnt diese
Privatisierung entschieden ab - die Gründe, die Sie gegen die
geplante Privatisierung ins Feld führen, werden von uns in den
entsprechenden Debatten ebenfalls geltend gemacht.
Zu unseren Positionen gegen die immer weiter voran getriebene
Privatisierung öffentlichen Eigentums und öffentlicher
Leistungen finden Sie Etliches auf unserer Homepage
www.linksfraktion.de. Vielleicht darf ich Sie an dieser
Stelle auch auf eine Konferenz aufmerksam machen, die am 9. und
10. November 2007 in Hannover stattfindet? Das Thema dieser
Konferenz lautet "Zwischen öffentlich und privat -
Genossenschaften und DIE LINKE." Näheres finden Sie auf der
genannten Homepage im Menü Politik, Untermenü Termine.
Mit nochmaligem Dank für Ihre Anregungen und freundlichen Grüßen
Wolfram Adolphi
Dr. Wolfram Adolphi
wiss. Mitarbeiter von Roland Claus MdB
Antwort von Frau Pau vom
01.11.2007:
Sehr geehrter Herr Willmes,
ich habe Ihr Schreiben dankend erhalten.
Wie Sie wissen, hat sich die Partei DIE LINKE seit jeher gegen
Privatisierungen in der öffentlichen Daseinsvorsorge und von
öffentlichem Eigentum eingesetzt. Ich gebe zu, nicht immer
lassen sich Privatisierungen verhindern und ja, manchmal machen
Sie auch, zumindest aus haushaltspolitischer Sicht, Sinn.
Wovor ich jedoch warne, und so habe ich Ihren Text verstanden,
ist, das gesamte öffentliche Eigentum zu veräußern, um
kurzfristig Haushaltslöcher zu stopfen. Dies umfasst unter
anderem die Bereiche der Bildung, der Krankeneinrichtungen, der
Daseinsvorsorge sowie der Infrastruktur und Verkehrswege. Nur
ein Beispiel von vielen: Meine Fraktion war die einzige, die der
geplanten Bahnprivatisierung kritisch gegenüberstand und nach
wie vor -steht. Wir haben aus diesem Grund einen eigenen Antrag
in den Deutschen Bundestag eingebracht. Dieser hat jedoch –
aufgrund der unterschiedlichen Positionen der anderen Fraktionen
zum Thema – keine eigene Mehrheit gefunden.
Ich kann Ihnen daher versichern, dass sich meine Partei auch
weiterhin – vor Ort und im Bundestag – für ein Mehr an
Demokratie und sozialer Gerechtigkeit einsetzen wird.
Mit freundlichen Grüßen
Petra Pau
Antwort von Herrn Annen vom
19.11.2007:
Sehr geehrter Herr Willmes,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 4. Oktober 2007, in dem Sie
sich mit der Frage der Teilprivatisierung der Bahn und mit dem
Für und Wider von Privatisierungen allgemein auseinandersetzen.
Ich habe mir Ihre Homepage (www.ulrich-willmes.de/staatsbetriebe.html)
angesehen und Ihre Ausführungen mit großem Interesse gelesen.
Meine Partei, die SPD, und ich teilen Ihre Vorbehalte gegenüber
einer Politik, die – aus ideologischen Gründen –
Privatisierungen grundsätzlich für notwendig und wünschenswert
hält. Unserer Ansicht nach verlangt eine menschliche – und eine
gerechte – Gesellschaft vielmehr, dass der Markt eingehegt und
in den Dienst der Gesellschaft gestellt wird.
Die Überzeugung, dass wir als Gesellschaft dem Marktgeschehen
entzogene, also öffentliche, Güter brauchen, weil diese die
(materielle) Grundlage für individuelle Freiheit und
Chancengleichheit sind, prägt daher auch das gerade beschlossene
neue Grundsatzprogramm der SPD, das Hamburger Programm.
Öffentliche Güter machen meiner Auffassung nach dabei zum einen
ökonomisch Sinn. Viele öffentliche Güter sind
volkswirtschaftlich Infrastrukturgüter, etwa die ja auch von
Ihnen genannten Bildungseinrichtungen. Weil der
volkswirtschaftliche Nutzen einer modernen öffentlichen
Infrastruktur größer ist als der individuelle Nutzen für die
Einzelnen, ist umgekehrt – bei deren Fehlen – der allgemeine
Schaden größer als die Summe der privaten Nachteile. Dieser so
genannte positive externe Effekt öffentlicher Güter ist nach
meiner Überzeugung der Schlüssel für eine darauf bauende moderne
Wachstumsstrategie.
Die Sozialdemokratie stellt die Bewahrung und die Bereitstellung
öffentlicher Güter aber auch deshalb in den Mittelpunkt ihrer
Programmatik, weil nur so der kulturelle und soziale
Zusammenhalt geschaffen werden kann, von dem eine lebendige
Demokratie lebt. Öffentliche Güter sind die Voraussetzung für
Partizipation. Nur wenn sie vorhanden sind, kann über ihre
Verteilung gestritten und entschieden werden, können
verschiedene gesellschaftliche Interessen artikuliert und
gewichtet werden. Wenn wir es zulassen, dass sich der Markt
zwischen Bürger und Staat schiebt, machen wir Politik und damit
den demokratischen Gestaltungsanspruch gegenstandslos.
Was konkret die derzeit diskutierte Teilprivatisierung der Bahn
angeht, denke ich, dass der Beschluss des Hamburger Parteitags
der SPD den richtigen Weg weist.
Für mich – wie für die gesamte SPD-Fraktion – ist die
Verkehrsinfrastruktur eines der zentralen öffentlichen Güter,
für das der Bund uneingeschränkt in der Verantwortung bleiben
muss. Ein flächendeckender und preisgünstiger Schienenverkehr
entspricht den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger und wird
gerade angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Mobilität
immer wichtiger.
Um die Bahn mit dem notwendigen Kapital ausstatten zu können,
gleichzeitig aber sicherzustellen, dass die
gemeinwohlorientierten Zwecke der Infrastruktur nicht in
Konflikt mit Renditeerwartungen geraten, hat die SPD bereits
1993 durchgesetzt, dass die Mehrheit der
Infrastrukturunternehmen beim Bund verbleiben muss (Art. 87e
GG).
Mit der jetzt beschlossenen Form der Teilprivatisierung – der
Ausgabe stimmrechtsloser Aktien an Kleinaktionäre – wird dieser
Weg aus meiner Sicht konsequent fortgesetzt und der Einfluss des
Bundes gesichert. Denn nach diesem Modell bleibt der Bund
Mehrheitsaktionär und behält als Inhaber aller Stimmrechte die
alleinige Kontrolle über die Unternehmensführung.
Ich kann Ihnen versichern, dass ich einer (Teil-)Privatisierung
der Bahn nur unter den im Parteitagsbeschluss genannten
Voraussetzungen zustimmen werde.
Mit freundlichen Grüßen
Niels Annen, MdB
Brauchen wir Staatsbetriebe?
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